Die Schmach der deutschen Presse

Es ist ja nicht so, als würde man, zumindest was das Thema Iran angeht, inzwischen noch besonders guten und für die Ambitionen der iranischen Freiheitsbewegung förderlichen Journalismus von der deutschen Presse erwarten. Aber das, was in diesen Tagen wieder einmal zu lesen, bzw. NICHT zu lesen ist, spottet wirklich jeder Beschreibung. Es ist, vor allem für mich als Deutscher, ein geradezu beschämendes Armutszeugnis, dass man in einem freien Land, in dem, ganz im Gegensatz zum Iran, Presse- und Meinungsfreiheit herrscht, so viele Unwahrheiten und verdrehte Tatsachen aufgetischt bekommt, die der „Otto-Normal-Verbraucher“ leider auch noch für bare Münze nimmt.

Ich hatte mir wieder einmal erlaubt, im Vorfeld zum Jahrestag der islamischen Revolution, ein recht ausführliches aber nicht zu langes Schreiben Richtung Presse verfassen, in dem ich auf die sich anbahnenden gestrigen Ereignisse betreffend des 22 Bahman aufmerksam machen wollte. Dieses Schreiben hatte ich sämtlichen nennenswerten Pressestellen Deutschlands zukommen lassen und ich weiß, dass viele andere Mitstreiter Ähnliches getan haben. Im Grunde ist es schon schlimm genug, dass man hierzulande ständig das Gefühl hat, so etwas in Angriff nehmen müssen, aus Sorge vor grottiger Berichterstattung. Gebracht hat es wieder einmal wenig bis gar nichts.

In den gängigen Nachrichten wurde doch tatsächlich berichtet, dass angeblich hunderttausende regimetreue Anhänger gestern auf dem Azadi-Platz in Teheran der Marionette des Regimes, M. Achmadinedschad, zugejubelt haben, als er gerade dabei war, die neueste technischen Erungenschaften der islamischen Republik zu erörtern. Und weiter wurde publiziert, dass es lediglich am Rande der großangelegten Feierlichkeiten einige Zusammenstöße mit Demonstranten gegeben haben soll… Das ich nicht lache.

Wie soll (in positivem Sinne) Aufmerksamkeit für ein unterdrücktes und kämpfendes Volk erregt werden, wenn die Medien hierzulande nicht in der Lage sind, wenn schon nicht parteiisch (etwa aus reiner Menschlichkeit) für die Opposition, wenigstens objektiv und durchgehend differenziert zu berichten?

Meine Damen und Herren der deutschen Medienlandschaft, es waren Millionen Protestler im ganzen (!) Land unterwegs. Der Iran besteht nicht nur aus Teheran. Es sind Plakate des Dikators verbrannt worden! Die Rede von Achmadinedschad wurde lautstark und maßgeblich von Anhängern der grünen Bewegung gestört. Es gab mehr als nur einen groß angelegten Versuch, Gebäude von hiesigen TV-Sendern zu stürmen…usw. Es drangen genügend Informationen in alle Welt und das trotz der bisher effektivsten Sperren des Internets und der Handynetze seitens des Regimes. Wer es nicht glaubt, darf sich gerne in der modernen Gegenwart heimisch fühlen und digitale Medien wie YouTube, Facebook oder Twitter  nicht nur zum Organisieren des nächsten Grillfests nutzen.

Schauen Sie sich bitte die Fotos und Videos aus Teheran, Mashad, Shiraz, Isfahan etc. an! Sind diese enorm wichtigen Vorkommnisse keinen korrekten Bericht wert? Können Sie etwa als Ausnahmen tituliert und abgetan werden? Seriöser und moderner Journalismus sieht anders aus, ganz anders. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Italien, Frankreich und den USA. Warum liefern profilierte Medien dieser Länder eine vielerorts exaktere Berichterstattung?  Warum ist in diesem Land ein detaillierter Einblick in Franjo Pooths Unterhosen wahrscheinlicher als eine differenzierte Reportage zum Thema Iran…?

Fragen über Fragen… Wenn man Antworten sucht, muss man wohl tiefer gehen als nur an der Oberfläche zu kratzen. Wirtschaftliche Interessen stechen Menschlichkeit wohl genauso aus, wie die generelle Ignoranz, die dieses Land und seine Gestalten größtenteils fast schon charakteristisch definiert.

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