UNO lässt Laridjani antanzen

Der UN-Menschenrechtsrat in Genf hatte sich gestern in einer Anhörung des iranischen Parlamentsvorsitzenden Laridjani die Untaten des Regimes vorgeknöpft. Auf der Tagesordnung standen Rechtsunsicherheit, Repression, Todesstrafe, Folter sowie die Benachteiligung von Frauen und religiösen Minderheiten, die im Iran an der Tagesordnung sind.

Laridjani verteidigte das iranische Rechtssystem und verwies scheinheilig auf angebliche Fortschritte seit der islamischen Revolution im Jahre 1979. Er gab zudem zu Protokoll, dass die Rede- und Versammlungsfreiheit im Iran gewährleistet sei, man aber gegen Terrorismus und Gewalt entschieden vorgehen müsse. Im selben Atemzug verteidigte er auch die Anwendung der Todesstrafe als „legitim“. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Laridjani außer billigen Ausflüchten und haarstreubenden Plattitüden nichts zu bieten hatte, sondern weiter die unmenschliche Gleichgültigkeit seitens des Regimes entblößte.

Positiv an dieser medienwirksamen Anhörung in Genf, die mit Protesten gegen die iranische Regierung vor dem UNO-Gebäude verbunden war, ist jedoch zu werten, dass die Menschenrechtsverletzungen im Iran wenigstens temporär ein internationales Thema sind. Dies ist zu großen Teilen einmal mehr den fleißigen Exil-Iranerinnen und Iranern in aller Welt zu verdanken, die mit Ihrem ständigen Einsatz und informativer Präsenz, das Recht auf Freiheit und Demokratie ihrer Schwestern und Brüder einfordern und akribisch auf die Missstände in ihrem Heimatland aufmerksam machen.

Allerdings bleibt die Frage offen, inwieweit die Anhörung in Genf politischen Einfluss auf die internationale Staatengemeinschaft haben kann oder wird.

 

Quellen und Berichte dazu :

Am Pranger – Teheran bestreitet Unterdrückung  (FR online, 16.02.2010)

Iran zwischen Uno-Podium und Pranger  (NZZ online, 16.02.2010)

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4 Gedanken zu „UNO lässt Laridjani antanzen

  1. Nicht nur die UNO. Wenn mich nicht alles täuscht, lässt auch Frau Amanpour den Herrn Laridjani heute Abend antanzen. Die Frage wird nur sein, wer wen tanzen lässt.

    • Hier der Bericht und das Interview zwischen Amanpour und Larijani vom 16. Feb. 2010.

      http://amanpour.blogs.cnn.com/2010/02/17/iran-official-clinton-inconsistent/

      Mein persönlicher Eindruck:
      Dieses Mal hat sich Frau Amanpour mehr auf die konkreten Fragen der Menschenrechtsverletzungen konzentriert. Allerdings kam ich nicht um das Gefühl umhin, zu denken, sie war sehr „bemüht“.
      D. h. Frau Amanpour wollte zwar über bestimmte Ding reden, liess es aber einfach zu oft zu, dass die knappe Sendezeit verschwendet wurde mit völlig verdrehten Antworten, die Herr Larijani nutzte, um (typischerweise) seinen Finger auf USA, Guantanamo & Co. zu setzen.
      Als professionelle und erfahrene Berichterstatterin MÜSSTE sie diese Rhetorik solcher „Politiker“ in- und auswendig kennen. Sie hat einfach nicht das Zeug, jemanden, der Teil eines faschistischen Mörderregimes ist und die Dreistigkeit hat, vom Iran als „demokratischstes Land des Middle East“ und „wir verhaften sie nicht, weil sie protestieren“ zu reden, mehr in die Ecke zu drängen. Stattdessen hat der Gute jede, aber auch jede Gelegenheit genutzt, um zu erwähnen, dass im Land X und Y ja auch dies und jenes geschehe. Bei solchen Interviewpartnern wünschte ich viel eher Leute wie CNN-Reporter Fareed Zakaria.
      Wer nun wen hat tanzen lassen, kann jeder selbst in dem CNN-Video beurteilen.
      Alles in allem jedoch wurde einmal mehr deutlich, was diese Menschen der IVR unter „Frieden, Freiheit und Demokratie“ verstehen. Sie sagen ja nicht, sie wären dagegen. Sie wehren sich eben nur gegen „Terroristen“. In der IVR ist eben der junge Student, der um seine Meinungsfreiheit kämpft, „Terrorist“ und erfüllt somit bereits die Anforderung, gegen „Gott“ zu sein und damit die Todesstrafe zu verdienen. Ein jämmerliches Armutszeugnis. Wie das allerdings von gewissen Herrschaften der extremen Linke in irgendeiner Weise noch immer ignoriert oder verharmlost werden kann, wird für unsereins wohl immer ein grosses Geheimnis bleiben.

      Shir o Xorshid

    • Hallo Shir o Xorshid!

      Vielen Dank für die ausführliche Reflektion des Interviews, das einmal mehr zeigt, wie geschult ein solcher Verbrecher von seiner verlogenen Art der „Rethorik“ gebraucht macht. Er steht einem angeblich „demokratisch“ zustandegekommenen Parlament vor und schmückt sich mit praktizierten Menschenrechten. In Wahrheit interessiert ihn das iranische Volk genauso wenig wie seine barbarischen Befehlshaber…

      Seine erbärmlichen Ausflüchte erinnern stark an ein Interview Achmadinedjads mit Katie Couric von CBS im vergangenen September. Damals hatte der „Präsident“ als Reaktion auf die Frage nach den Umständen bezüglich des kaltblütigen Mordes an Neda ein vorbereitetes Foto der in Dresden zu Tode gekommenen Ägypterin aus der Tasche gezogen…

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