Opportunisten auf schmalem Grat

Und wieder einmal melden sie sich zu Wort, um sich beim iranischen Volk als Ritter des Rechts anzubiedern. Die Rede ist von Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi. Zwei Gestalten, die nicht gerade unbeschriebene Blätter in der Geschichte der islamischen Republik sind und in diesen Zeiten versuchen, die Schwäche des Regimes und die Hoffnungen der grünen Bewegung zu nutzen, um selbst wieder ein größeres Stück vom (Macht-)Kuchen abzubekommen.

Während Karroubi als islamischer Gelehrter und Vorsitzender des „Khomeini Relief Committee“ die Revolution Khomeinis vorantrieb, bekam die Weste von Moussavi spätestens dann riesige Flecken, als er von 1981 bis 1989 im Amt des Premierministers unter Khomeini tausende von Todesurteilen gegen „Gegner der Revolution Allahs“ unterzeichnete. So viel in groben Zügen zum Werdegang dieser beiden Herrschaften.

Während große Teile des Volkes schon lange keine „Reformen“ des aktuellen islamisch geprägten Staatssystems anstreben, sondern einen freien und demokratischen Iran fordern, eiern diese beiden immer zum richtigen Moment vor die Mikrofone und Kameras, um das Bild der edlen Oppositionsführer zu kreieren. Sie gaukeln immer wieder vor, im Interesse der iranischen Gesellschaft für Recht und Ordnung zu kämpfen.

Was dabei gerne übersehen wird, ist nicht nur deren verbrecherische Vergangenheit und mörderische Mittäterschaft der letzten 31 Jahre, sondern die Tatsache, dass sie selbst nur in einer islamischen Republik eine Chance auf Straffreiheit hätten. Sie wollen das aktuelle System mitnichten umkrempeln oder gar revolutionieren. Sie streben allerhöchstens eine IRIL (islamische Republik Iran „light“) an. Denn der Grat, auf dem sie wandern, ist mehr als schmal. 

Einerseits können sie sich nicht allzu sehr für ihre Karriereziele aus dem Fenster lehnen, sonst werden sie durch die Führung in Teheran liquidiert und die Entsorgung politischer „Gegner“ ist eine der unumstrittenen Spezialitäten des Regimes… Andererseits können die beiden auch niemals für eine absolute Revolution des Volkes (also für eine konsequente Abschaffung der islamischen Republik) einstehen, denn in einem modernen, demokratischen Rechtssystem, das auf unveräußerlichen Menschenrechten basiert, müssten sie sich für ihre Taten rechtfertigen, einmal ganz davon abgesehen, dass sie nach wie vor zu den „Idealen der islamischen Revolution“ stehen und dies auch oft genug ausgedrückt haben.

Der Begriff Demokratie darf nicht mehr von menschenverachtenden Islamisten missbraucht werden, die dieses Wort nicht einmal buchstabieren können. Es wäre wünschenswert, wenn irgendwann auch der Letzte verstehen würde, warum die Zukunft eines demokratischen und freien Irans nur durch ein säkulares und demokratisches System gestaltet werden kann. In diesem freien Iran wird kein Platz mehr sein für all die Moussavis und Karroubis, über die wohl wieder zu reden sein wird, spätestens dann, wenn sie sich vor einem ordentlichen, iranischen Gericht, das diesen Namen verdient, verantworten müssen.

 

Berichte dazu:

Mousavi and Karoubi: „We will address the people shortly“ 

Moussavi und Karroubi: „Wir werden uns bald an das Volk wenden“ 

Advertisements

2 Gedanken zu „Opportunisten auf schmalem Grat

  1. Gut dass einer den Mut aufbringt diese beiden islamischen Verbrecher richtig zu portraitieren.
    Auf dem persisch-sprachigem Chanel One rief vor einigen Tagen ein Zuschauer an und erzählte die Geschichte von Mousavi und seiner Frau, wie sie nach der unsäglichen islamischen Revolution in das Geschäft eines Iraners in Shiraz oder Isfahan marschierten und das ganze Gebäude samt Geschäft übernahmen, ganz nach Mafia-Manier.

    So sind die Pioniere und Aufbauhelfer der islamischen Vergewaltigungsdiktatur und deshalb polemisieren sowohl Mousavi als auch Karoubi auch stets gegen das Volk, das nach einer säkularen demokratischen Ordnung ruft.

  2. @Iranian German,

    zu Deiner Analyse: Volltreffer.

    Aber ich möchte hier noch etwas nicht ganz Unwichtiges hinzufügen bzw. unterstreichen, was Du bereits in Andeutung schon erwähntest.

    EIGENVERANTWORTUNG!

    Ich habe mal wieder das Gefühl, dass zumindest ein Teil der Iraner genauso blind ist wie ihre Eltern 1979. Noch schlimmer: einige waren selbst bei der Revolution 79 dabei und haben heute noch immer nicht dazu gelernt. Das lässt sich ganz einfach daran erkennen, dass diese Herrschaften
    a) heute z. B. sich strikt gegen den Sohn des Schahs, Herrn Reza Pahlavi, auflehnen, weil der Vater war ja…. (ich erspare mir den Rest). Meine Frage an diese Herrschaften: WIE kommt es, dass sie bereit sind, islamistischen Revolutions-Unterstützern von Khomeini, die bis HEUTE noch zu der „Islamischen Revolution“ stehen und DEFINITIV Blut an ihren Händen zu kleben haben, heute eine „Chance“ zu geben, aber einem Reza Pahlavi, der nicht mal einer Fliege was zu Leide getan hat, von vornherein abzulehnen. Ist der Fakt, dass jemand (GEZWUNGENERMASSEN) im Ausland lebt, schwerwiegender als ein Unterstützer von Massenmord und Massenvergewaltigung???
    b) Selbst wenn wir Reza Pahlavi völlig aussen vor liessen (nicht jeder muss ihn schliesslich mögen oder preferieren), WAS aber kann ein Mousavi oder ein Karroubi dem Volk geben, ohne sich selbst die Schlinge um den Hals zu legen? Warum sind gewisse Iraner bereit, mal wieder blindlinks uns alle in unser Unglück laufen zu lassen, wenn wir doch wissen, dass diese Herrschaften sich für eine Islamische Republik stark machen? Glaubt man etwa noch immer daran, dass wenn man etwas „unbrutaler“ mordet, etwas „sanfter“ vergewaltigt, oder rosa Kopftücher im Blümchenmuster zulässt(DAS ALLES HEISST Islamische Republik Light, wenn auch etwas überspitzt formuliert) uns die erhoffte Demokratie erbringt?
    c) An die Damen der Gesellschaft, die den Herren „eine Chance“ geben wollen:
    Haben diese Herrschaften ausser „Demokratie“ und „uuups, im Evin wird vergewaltigt“ sonst etwas klar und deutlich zur Stellung der Frau im Iran gesagt? Ist das Thema FRAU überhaupt ein wichtiger Faktor für diese Herren? Schaut Euch doch schon allein die Frau von Herrn Mousavi an. Man kann sich in zig Variationen „verhüllen“. Hat irgendjemand den Eindruck als gehörte Frau Zahra Rahnavard zu jenen Iranerinnen, die sich irgendwie zwanghaft verschleiern? Ich habe da einen ganz anderen Eindruck. Inwieweit ist sie also wirklich authentisch für die „Rechte der Frauen“? Weil sie von „Demokratie und Rechte“ reden? Wir haben doch erst vor wenigen Tagen erfahren, dass der
    iranische Mr. „Human right-watcher“, Mr. Laridjani, auch von „democracy and rights“ daherredet? Haben wir jemals WIRKLICH nachgehakt, was die Herren Mousavi und Karroubi unter „Demokratie“ und „was das Volk will“ verstehen?
    Vielleicht gehen sie ja davon aus, dass das Volk eben eine Islamische Republik Light wolle.
    d) Warum also sind wir Iraner überhaupt bereit, uns von ein paar Krümeln abspeisen zu lassen und zwei Figuren als „Führer einer neuen Nation“ zu bejubeln? Oder anders gefragt: Warum glauben wir Iraner, nicht mehr Wert zu sein und nicht mehr verlangen zu dürfen, als dass die Dinge sich ein klein wenig bessern als sie es jetzt sind? Wäre denn nicht fast alles, was nicht unter Khamenei und Ahmadi liefe besser?
    e) Eine weitere ungeklärte, oder sagen wir besser, unbenannte Frage ist die der Religionsfreiheit. Kann man wirklich davon ausgehen, dass die genannten Herren nicht davon ausgehen, dass nicht jeder Iraner ein Moslem ist. Und im Gegenteil, die Zahl jener, die dem Islam den Rücken kehrt, immer grösser wird – nicht NUR im Ausland? Wenn man also klar davon ausgehen kann, dass Herr Mousavi zu Khomeini steht, zur Islamischen Revolution 79 und zu einer „Veränderung INNERHALB des islamischen Systems“, WIE soll das alles mit einer echten Demokratie vereinbar sein?

    Fazit: Wir Iraner müssen noch immer lernen, uns nicht der erstbesten Option hinzugeben, damit es „ein wenig besser“ wird, sondern klar und sachlich darüber nachdenken, was wir wirklich wollen. Der grösste Widerspruch ist zur Zeit nämlich in uns selbst. Gerade die „Grünen“ im Ausland sind ganz klar für Demokratie. Darunter sind aber eben auch jene, die sich (und hier greift eben nicht mehr die Entschuldigung, sie könnten nicht anders) für einen Mousavi und/oder Karroubi aussprechen. Wie passt das zusammen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s