Die feuerroten Straßen Irans

Und nun war es soweit. Nach den wochenlangen Vorbereitungen der iranischen Freiheits-bewegung und den respektlosen Einschüchterungsversuchen seitens des Regimes fand es dann doch statt: Das Feuerfest Chahar Shanbeh Soori. Und wie es stattfand…

Millionen Menschen auf den Straßen Irans trotzten der Fatwa Khameneis und feierten eines der iranischsten Feste schlechthin. Es scheint, als habe das Verbot des Diktators die Menschen im Iran nur noch mehr motiviert, ihre uriranischen Traditionen auszuleben. Twitter-Slogans wie: „Und jetzt erst recht“ oder „Vergesst nicht zu feiern! Das ist unser Tag!“ waren nicht nur Motto, sondern auch Programm.

Aber man hat nicht nur gefeiert und Feuer entzündet, um den Brauch des feuerroten Mittwochs zu praktizieren. Der Abend sowie die Nacht wurden genutzt, um weitere, energische Proteste zu veranstalten. Trotz des hohen Sicherheitsaufgebots der Polizei und der Basij-Milizen waren die feiernden Menschenmassen kaum zu kontrollieren. Die Straßen Teherans waren einmal mehr völlig in der Hand der mutigen Iranerinnen und Iraner. Parolen wie „Nieder mit der islamischen Republik“ oder „Nieder mit dem Diktator“ waren nicht nur überall zu hören, sondern tragen zur noch vor einigen Monaten für unmöglich gehaltenen und ständig weiter steigenden Intensität des Widerstands gegen die menschenunwürdigen Zustände im Iran bei.

Und das Volk wehrte sich erneut: Stellenweise wurden angreifende Sicherheitskräfte von Anwohnern und Demonstranten in großen Gruppen regelrecht verjagt und attackiert. Eine Basij-Station ging in Flammen auf. Polizei und Angehörige der Milizen sollen größtenteils handlungsunfähig gewesen sein, alleine schon deshalb, weil die Anzahl der Feiernden unüberschaubar groß war.

Auch in anderen Städten wie Isfahan, Karadsch, Mashhad, Bukan und Shiraz kam es zu ausgelassenen Feierlichkeiten und teils schweren Zusammenstößen mit der Polizei. In Bukan soll dabei laut Iran Press News ein junger Mann erschossen worden sein, was zu weiteren, starken Unruhen geführt hat. In Karadschs Stadtteil Azimiye waren Polizisten auf der Flucht, als sie von großen Mengen von Protestlern zurückgetrieben wurden.

Diese vergange Nacht hatte nicht nur explodierende Feuerwerkskörper und Lagerfeuer zu bieten. Sie war vor allem ein Beleg für den immer weiter wachsenden Widerstand der Freiheitsbewegung. Gestern haben die Iranerinnen und Iraner gelebt. Sie haben ihre ureigenen Traditionen nicht nur gegen Tyrannei und Ungerechtigkeit verteidigt und bewahrt, sondern ihrer unterdrückten Identität wieder auf die Beine geholfen, wenn auch vorerst „nur“ für eine Nacht. Aber diese Nacht wird nicht die Letzte dieser Art gewesen sein…

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Berichte und Videos hierzu:

Ali Schirasi, Persian2English , The Guardian, Julias Blog

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