Mutiger Caspian Makan ehrt Neda

Wir alle erinnern uns in tiefer Trauer an den Tod von Neda Agha-Soltan (26), die am 20.06.2009, gut eine Woche nach den Präsidentschaftswahlen im Iran, während einer Demonstration von einem Mitglied der Basij-Miliz erschossen wurde.  

Ihr Verlobter Caspian Makan wurde kurz danach festgenommen und saß über 2 Monate lang im Evin-Gefängnis von Teheran, wo er nicht nur mit Neda’s Tod fertig werden musste, sondern weitere Demütigungen und Folter zu ertragen hatte. Nachdem man seine Kaution von 500.000€ auf 100.000€ gesenkt und ihm auferlegt hatte, weder das Land zu verlassen, noch jemals über den Tod von Neda zu sprechen, konnte er im Herbst letzten Jahres über die Türkei fliehen.

Gestern sprach er weltexklusiv und zum ersten Mal in der breiten Öffentlichkeit bei „Kerner“ auf Sat1 über ihren Tod und stellte klar, dass Neda keinesfalls nur „zufällig“ am Straßenrand stand und der Demonstration beiwohnte, wie er Anfangs den Behörden im Iran mitteilte, um weiteres Vorgehen gegen ihn und seine Familie zu verhindern. Er betonte, dass seine Verlobte sehr wohl wusste, was sie tat und seit anbeginn der Proteste ständig auf der Straße war, um bewusst an Demos teilzunehmen, denn ihr Drang nach Freiheit und Gerechtigkeit war größer als die Angst vor den brutalen Sicherheitskräften des Regimes.

Caspian Makan flüchtete aus dem Iran, um sein Schweigen brechen zu können und das Schicksal von Neda lückenlos aufzuklären. Obwohl er sich weiterhin, wenn auch hier in Deutschland aufhaltend, großer Gefahr aussetzt, stand er Kerner Rede und Antwort, ohne es an ausgestrahlter Ruhe und Entschlossenheit fehlen zu lassen. Man hatte das Gefühl, er tut dies alles, um auch nachdrücklich zu zementieren, dass der gewaltsame Tod seiner Verlobten nicht umsonst war.

Zudem verwies er auf die ständigen und willkürlichen Grausamkeiten des Machtapparats der islamischen Republik und prangerte ohne Umschweife die begangenen Verbrechen an. Auf Kerner’s Nachfrage prognostizierte er, dass die iranische Freiheitsbewegung stark genug sei, um das Regime früher oder später stürzen. 

Ihn beim Interview zu sehen und sich an die Bilder der sterbenden Neda zu erinnern, schmerzt selbst nach neun Monaten ungsagbar. Viele bezeichnen sie verständlicher Weise als „Ikone“ der Bewegung, aber bei Betrachten des Videos gedenken wir auch all den anderen Opfern der verbrecherischen Strukturen der islamischen Republik. Wir werden jedes dieser Opfer in unserem Herzen tragen und niemals vergessen.

An dieser Stelle muss man dem Moderator Johannes B. Kerner ein Kompliment machen, denn er verstand es, entgegen üblicher Gewohnheiten, seinen Gesprächspartner nicht nur frei reden zu lassen, sondern ihm auch Fingerspitzengefühl bezüglich der gestellten Fragen entgegen zu bringen . Mein größter Dank geht jedoch an Caspian Makan selbst, der mit seinem Auftritt in einer solch bekannten Talkshow nicht nur Mut und Stärke bewies, sondern die Freiheitsbewegung aktiv unterstützt hat.

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Video des Interviews von Caspian Makan bei „Kerner“:

Teil1

Teil2

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