Makan polarisiert mit Israel-Besuch

Letzte Woche noch berichtete ich voll des Lobes über das erste große TV-Interview von Neda’s Verlobtem Caspian Makan bei Kerner auf Sat1. Uns alle ergriffen die Bilder des geschundenen Mannes, der nicht nur seine Verlobte verlor, sondern auch als Häftling im Evin monatelang Folter ertragen musste und später aus seinem Heimatland flüchtete, um offen sprechen zu können.

Am vergangenen Montag hatte er seinen nächsten „großen Auftritt“. Er reiste nach Israel und sprach mit dem dortigen Staatspräsidenten Shimon Peres. Dieser Besuch war nicht nur absolut unerwartet, sondern auch fragwürdig, zumindest, wenn man die differenzierten Reaktionen aus aller Welt berücksichtigt.

Ich persönlich gehe davon aus, dass Caspian Makan ein ehrenwerter Mann ist, der ein Zeichen setzen will mit seinem Gang an die breite Öffentlichkeit. Er will nicht nur das Andenken seiner ermordeten Freundin bewahren, sondern versucht anscheinend auch, mit dieser Art von Medienoffensive der Freiheitsbewegung auf seine Weise dienlich zu sein. Bei Kerner ist ihm das auch sehr gut gelungen.

Ob er sich in Israel vor einigen Tagen nun wirklich als „Botschafter des iranischen Volkes“ erklärte und das auch tatsächlich so meinte, sei einmal dahingestellt. Jedoch stellt sich trotz all des Lobes und dem verdienten Respekt bezüglich seines Mutes zwangsläufig die Frage, warum er ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt nach Israel reisen musste.

Makan wurde inzwischen dreisterweise vorgeworfen, gar nicht der Verlobte von Neda gewesen zu sein, sondern nur ein flüchtiger Bekannter, der sich mit ihrem Namen in die Schlagzeilen bringen möchte, woraufhin sogar eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Wir hassen Caspian Makan“ gegründet wurde. Kritik in allen Ehren, nur sollte man vielleicht darauf achten, dass man nicht unter die Gürtellinie rutscht… gerade bei einem Mann, der aufgrund der Machenschaften des Regimes alles verloren hat, was ihm je lieb war. Gezieltes Mobbing dieser Art untermauert weder einen konträren Standpunkt, noch hilft es der Freiheitsbewegung irgendwie weiter.

Trotz aller Kontroversen der letzten Tage sehen einige in diesem Besuch den guten Willen, zwischen zwei Völkern, die sich (leicht überspitzt ausgedrückt) quasi per Verfassung hassen sollten, vermitteln zu wollen und damit gerade den mit Anti-Israel-Propaganda übersättigten Iranerinnen und Iranern zu zeigen, dass eine positive Verständigung und ein freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden Seiten sehr wohl möglich sein kann. Eine solche Geste der Entspannung ist natürlich, rein isoliert gesehen, mehr als lobenswert und nötig, zumindest unter anderen Umständen.

Jedoch könnte diese, von außen etwas naiv und unbedacht wirkende Aktion dieser innenpolitischen Meinungsmache gegen den Westen und Israel als angebliche Organisatoren und Drahtzieher der Bewegung samt deren Proteste genau die Nahrung bieten, die das Regime in Zeiten des bröckelnden Machtapparats dringend nötig hätte, um weiter amtieren zu können. Man kann das Ganze als eine Art unverhofften Elfmeter sehen, den Khamenei und sein verbrecherischer Haufen nur verwandeln müssen, um wieder (zumindest leichtes) Oberwasser zu bekommen. Dass in diesem Falle der iranischen Freiheitsbewegung keinesfalls geholfen wäre, muss man wohl nicht näher erläutern.

Hoffen wir inständig, dass dies nicht passiert und der Großteil des iranischen Volkes (zumindest über Umwege) Möglichkeiten findet, sich selbständig zu informieren, um sich ein eigenes Bild machen zu können, frei von verlogener Propaganda, Hass und religiöser Kriegstreiberei.

Und hoffen wir, dass Neda eines Tages endlich in Frieden ruhen kann.

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Weitere Infos und Quellen zum Thema:

Neda’s Fiancé Was Neda’s Fiancé, But He Doesn’t Represent The Iranian People 

Nedas Verlobter war Nedas Verlobter, aber er vertritt nicht das iranische Volk 

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11 Gedanken zu „Makan polarisiert mit Israel-Besuch

  1. Ich traue den Iranern als überwiegend gebildetes und aufgeklärtes Volk durchaus zu, den Sinn von Caspians Besuch in Israel zu erfassen und nicht auf die Propaganda eines Regimes reinzufallen, das seine Glaubwürdigkeit spätestens mit dem Wahlbetrug vom Juni 2009 endgültig verloren hat. Caspian hat mit dieser wichtigen Geste weiterhin nochmals bewiesen, dass das iranische Volk mit Sicherheit nicht von diesem antisemitischen Regime repräsentiert wird, was absolut zu würdigen ist. Aus diesen Gründen sehe ich seinen Besuch zu 100% positiv.

  2. Ich muss Kaho beipflichten und sehe Caspians Geste als mutigen Schritt um das Tabu zu brechen, sich als Iraner solidarisch zu Israel zu erklären.

    Lieber Iranian German, die Mullahs brauchen solche Nachrichten nicht um Lügen und skrupellose Propaganda zu lancieren und den Freiheitsdrang der Iraner als fremdgelenkte zu diffamieren.

    Jeder der ein Andersdenkender in Iran iust, ist in den Augen der Khomeinisten ein agent der „Zionisten“ und des Westen.

    Hier gilt es endlich sich davon zu lösen jeden Schritt darauf zu prüfen ob dies vom Mullah-Regime zu Propaganda-Zwecken missbraucht wird. Denn sonst hätten sie ihren Ziel erreicht und die Iraner begeben sich noch mehr in Lethargie und Tatenlosigkeit.

    31 Jahre Passivität aus Angst sind aber endgültig genug, jetzt muss es endlich darum gehen sich nicht mehr von der Propaganda und Angstmacherei des Islams einschüchtern zu lassen.

    Ich habe es bereits gesagt und betone es nochmal: Israel wird der natürliche und enge Verbündete des Irans.
    Wer was gegen Israel oder Juden hat, hat keine Daseinsberechtigung in Iran, Punkt.

  3. @ Kaho55,

    ich bin im Grunde absolut Ihrer Meinung, denn eine freundschaftliche Beziehung zwischen Israelis und Iranern halte ich für durchaus erstrebenswert und angebracht. Für die weltweite Wahrnehmung der Iranerinnen und Iraner war es möglicherweise sogar förderlich, dass ein Iraner sein Leben riskiert, um ein Land zu besuchen, das vom eigenen Staatsapparat verhasst ist. Der Besuch Makans könnte definitiv ein anderes Licht auf das Volk der Iraner werfen, damit man es in Zukunft eben nicht mehr mit der Ideologie des Regimes über einen Kamm schert.

    Jedoch sollte man gewisse Schritte, zu gewissen Zeiten differenziert betrachten. Ich schätze den Großteil der Iranerinnen und Iraner ebenso wie Sie als überdurchschnittlich gebildet und weltoffen ein. Allerdings bleibt dann die Frage, warum Gestalten wie Moussawi und Karoubi, die soviel Dreck am Stecken haben, dass es für drei Leben reichen würde, soviel Zulauf bekamen und immer noch bekommen. Wo bleibt da die Aufklärung? Wenn es solchen Verbrechern, die sich in aller Öffentlichkeit immer wieder klar und deutlich zu den Grundsätzen der islamischen Republik bekennen, durch ein Paar nichts-sagende Interviews gelingt, Anhänger zu gewinnen, was macht dann die „Regierung“ aus einer Steilvorlage wie dem Israel-Besuch von Caspian Makan?

    Ich denke, man sollte das Thema Aufklärung und Information nicht immer aus unserem, europäischen Blickwinkel betrachten, denn die iranische Bevölkerung lebt in einer Presselandschaft, die von heftiger Zensur, Verfolgung und Propaganda geprägt ist. Und diese Tatsache betrifft nicht nur die schreibende Presse, das Fernsehen und die Bibliotheken, sondern vor allem das Internet. Ich mache mir weniger Sorgen um Universitätsstädte wie Teheran oder Isfahan, in denen überwiegend junge Menschen leben, die gelernt haben, entsprechende Sperren effektiv zu umgehen, sondern eher um ländliche Gebiete und kleinere Städte, die meistens nichts weiter haben, außer staatliches Fernsehen und ein Paar Mullahs…

    • Ich verstehe deine Bedenken gut was das iranische Volk und die abgeschottete Gesellschaft dort angeht, aber Tatsache ist dass kaum ein Iraner den Mullah-Medien vertraut und entsprechend wird jede Propaganda der Mullahs als solches betrachtet.

      Und selbst die kleinen Städte und Dörfer leisten sich als erstes eine Sattelitenschüssel um sich frei informieren zu können. So ein Schüssel ist praktisch die wichtigste Anschaffung für iranische Familien.

      Was die Unterstützung für Mousavi und Karoubi angeht, so ist das klar eine pragmatische Entscheidung. Selbst säkulare Kräfte rufen und riefen Allahuakbar um eine Einheit gegen die IR zu bilden, und genau aus demselben Grund unterstützen sie (noch) diese beiden Gestalten.

      Dazu auch der Reisebericht von Parastou Forouhar, indem genau das nochmals klar herausgestellt wird:
      http://feuertempel.fe.funpic.de/phpbb/viewtopic.php?t=2663

    • Freigeist, mein Freund,

      ich teile Deine offensive Einstellung absolut, denn sie entspricht meiner persönlichen Meinung, was die Auflehnung gegenüber der islamischen Angstmache und Propaganda angeht.

      Meine Bedenken betreffen eher die Fähigkeiten des Regimes, weniger fortschrittliche und aufgeklärte Teile des Volkes zu beeinflussen. Dass Makans Verhalten sehr mutig ist und mit meiner Einstellung bezüglich des nötigen Widerstands gegen die Verbrecherbande von Khamenei übereinstimmt, steht außer Frage.

      Ich kann jedoch (sachlich) angebrachte Kritik an diesem „Vorstoß“ aus oben genannten Gründen verstehen, wobei ich kein Verständnis dafür habe, dass Caspian Makan vielerorts nun durch den Schmutz gezogen wird und man versucht, ihm seine Glaubwürdigkeit abzusprechen.

      PS.: Vielen Dank für den Link!

    • Meines Wissens hat gerade die iranische Landbevölkerung nicht unbedingt gute Gründe, sich noch irgendwie auf die Seite des Regimes ziehen zu lassen, auch wenn sie überwiegend sicherlich konservativer ist als die gebildetere Stadtbevölkerung. Denn das islamistische Regime importiert massenweise billige Agragüter u.a. aus China in den Iran, die sich auf die dortigen Bauern existensbedrohend auswirken. Weiterhin habe ich aus den Protesten der letzten Monate den Eindruck erhalten, dass Mussavi kaum noch Einfluss auf die demokratische Bewegung hat, wie u.a. die Proteste gegen den Al-Quds-Tag im September letzten Jahres gezeigt haben. Aus diesen Gründen glaube ich, dass deine Befürchtungen größtenteils übertrieben sind. Und wie gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass selbst der dümmste Iraner diesem Regime nach dessen dreisten Wahlbetrug vom Juni 2009 noch irgendetwas abkauft.

    • Lieber Kaho55,

      es kommt gar nicht auf „nicht unbedingt gute Gründe“ an… Einmal davon abgesehen, dass dieser Besuch gerade tatsächlich Gefahr läuft, vom Regime zu Manipulationszwecken missbraucht zu werden, so steht in meinen Überlegungen stets die Stärkung der Freiheitsbewegung im Vordergrund, was heißen soll, dass in einem solchen Fall nicht meine persönliche Ansicht, die im Grunde mit Ihrer und der Freigeists übereinstimmt, entscheidend ist, sondern der (mögliche) Gesamteffekt, den eine solche Aktion nach sich zieht bzw. nach sich ziehen kann.

      Ich schätze Caspian Makan wirklich sehr und bin ihm für seinen Mut aufrichtig dankbar. Auch ich bin eigentlich stets für aggressiven und entschiedenen Widerstand gegen die IVR in allen Belangen. Jedoch hätte er wissen müssen, dass er gerade beim sensiblen Thema Israel zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur Diskussionen und Differenzen unter seinen eigenen Landsleuten auslösen wird.

      Man lasse nur einmal die kontroversen Meinungen zu diesem Thema, die vielerorts regelrecht in handfeste Streitigkeiten ausarten, auf sich wirken. Wenn man dies tut, kann man bezüglich dieser Reise kaum von einer Aktion sprechen, die etwa für eine Einung der Iraner oder gar eine Stärkung der Volkserhebung und seiner Ziele gesorgt hat. Und das ist alles, was mir in dieser Debatte am Herzen liegt.

      Da ziehe ich es doch schon alleine aus reiner Vorsicht eher vor, etwas zu „übertreiben“, als danach erschrocken aus der Wäsche zu schauen und mich zu wundern, dass den Mitstreitern der Bewegung aufgrund all der unnötig eröffneten Nebenkriegsschauplätze wichtige Energien genommen werden.

  4. Vielleicht war es ein „act of defiance“.
    Vielleicht wollte Makan sich mit seinem Israel Besuch und Treffen mit Peres öffentlich distanzieren von der anti-zionistischen Haltung der IR.
    IR missbraucht doch schon seit Jahren alle Handlungen die anti-IR sind für seine Manipulationszwecke. Und wenn Makan nach USA geht, so wie viele tausende von Asyl Iranern? USA ist auch IRs teuflischer Feind. Würde diese Handlung auch kontra produktiv für die Grüne Bewegung sein? Makans Reise nach Israel wird die Grüne Bewegung nicht schwächen wenn sie nicht schon selbst geschwächt ist – im Gegenteil.
    Hört doch auf nach Sündenböcke zu suchen, das schadet der Résistance mehr als jeglicher Israel Besuch von Iranern.

    • Hallo sirenae,

      sehen Sie, was ich mit meinem Bericht und den mühsamen Antworten auf all die Kommentare versucht habe, ist keinesfalls einen „Sündenbock“ zu suchen (höchst fragwürdige Bezeichnung meiner sachlichen Kritik…), sondern die Situation, die durch den Israel-Besuch Makans entstanden ist, zu analysieren. Nicht mehr und nicht weniger.

      Würde ich nicht die Gefahr der Spaltung dieser Bewegung wahrnehmen, würde ich genau wie sie und einige andere vielleicht eine Torte backen, feiern und Makan für seinen Mut und seine Forschheit applaudieren. Nur versuche ich nicht ständig mit dem Kopf durch die Wand zu denken, sondern die Dinge differenziert zu betrachten, was bei diesem Thema eben nicht allen zu gelingen scheint.

      Und nein, ein USA-Besuch würde genauso wenig schaden, wie der Besuch bei Kerner im deutschen Fernsehen, worüber im Übrigen mehr als lobend auf genau diesem Blog hingewiesen wurde…aber das nur nebenbei.

      Die spezielle Brisanz des Themas Israel, gerade im Bezug zum Iran, sollte doch nun wirklich dem Letzten bekannt sein und was diese alleine in der Exil-Iranischen Gemeinde an Streitereien und Differenzen verursacht hat, kann man jederzeit einschlägigen Foren, Blogs und privaten Gesprächen entnehmen. Wer das nicht erkennt, der verkennt die Wichtigkeit des Zusammenhaltes der iranischen Freiheitsbewegung.

      Diese Bewegung sollte nicht zum persönlichen Wunschkonzert einiger verkommen, die gerne aus Lust und Laune den zweiten vor dem ersten Schritt machen.

  5. Damit dieser Blog nicht ebenso zu einem Forum für weitere Streitigkeiten und Diskussionen zu diesem Thema mutiert, die uns die Fokussierung auf unser eigentliches Ziel nehmen könnten, ist die Kommentarrunde zu diesem Artikel hiermit beendet.

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