Ein iranischer Sieg in Deutschland

Ja, schon klar, dies ist nicht unbedingt ein Thema, das direkt mit den Ereignissen rund um die repressive Situation im Iran zu tun hat. Hier geht es um eine eher unerwartete, mediale Kur für die geschundenen iranischen Seelen, gerade hier in Deutschland, aber auch im Ausland. Denn die Nachricht vom Sieg Mehrzad Marashis beim Casting-Wettbewerb „Deutschland sucht den Superstar“ von RTL machte auch international schnell die Runde.

Dass der sympathische 29jährige Iraner diesen Wettbewerb gewinnen konnte, liegt nicht nur an der „Güte“ des ausstrahlenden TV-Senders RTL, der trotz aller Unkenrufe (bezüglich des zuletzt offensichtlichen Förderns des Final-Konkurrenten M.Fröhlich) tatsächlich Stimmen auszählen ließ, sondern ist vor allem dem wunderbaren Zusammenhalt der iranischen Exilgemeinde zu verdanken, die sich von der Meinungsmache des Privatsenders und deren inkompetenten Jury nicht haben verunsichern lassen und den verdienten Triumph des Wahl-Hamburgers mit zahlreichen Stimmabgaben per Anruf und SMS realisiert haben.

Übrigens muss an dieser Stelle fairerweise erwähnt werden, dass man es kaum für möglich gehalten hätte, dem Springer-Verlag samt Bild-Zeitung, die sich zuletzt klar auf die Seite von Mehrzad Marashi gestellt hat, bezüglich einer iranischen Sache einmal dankbar zu sein.

Gestern Abend hatte man seit langem wieder das komplette Gefühl einer VEREINTEN iranischen Gemeinschaft hier in Deutschland. In einem scheinbar aussichtslosen Rennen um die Krone dieses Gesangswettbewerbs hatten sich alle Fans, Landsleute und Sympathisanten bis zum Letzten eingesetzt und für einen Iraner gekämpft. Dieses Beispiel zeigt, was man erreichen kann, wenn man bedingungslosen Zusammenhalt praktiziert und sich gemeinsam für EINE Sache einsetzt, selbst, wenn einem noch so unüberwindbar wirkende Hürden im Weg stehen.

Dies ist nicht nur ein persönlicher Erfolg für den Sänger Mehrzad Marashi, sondern ein Sieg der Iranerinnen und Iraner, die auf diesem Wege in positiver Weise auf sich aufmerksam machen konnten. Für alle Iraner und ihren Mitstreitern ist es ein angenehmes und wohltuendes Gefühl, diesen medienwirksamen Sieg errungen zu haben. Mögen in Zukunft weitere, noch viel bedeutendere Siege auf anderer Ebene folgen.

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 Berichte zum Thema:

Der Brave schlägt den Wilden (Spiegel online, 18.04.2010)

Mehrzad schlägt Menowin (n-tv.de, 1804.2010)

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5 Gedanken zu „Ein iranischer Sieg in Deutschland

  1. Guter Beitrag und eine absolut treffende Einschätzung dazu dass man vereint fast alles erreichen kann.
    Mehrzad ist übrigens ein großartiger Mensch der absolut diesen Sieg verdient hat.
    Mal schauen wie sehr er von den Islamisten dafür angefeindet wird, weil er die grüne Farbe der iranischen Freiheitsbewegung und von Rostam benutzt hat.

    • Du hast Recht, Freigeist.

      Er ist ein super Typ. Er hat mit dem Herz eines Löwen gegen absolut widrige Verhältnisse und Internet-Hasskampagnen angekämpft und selbst im Moment seines größten Sieges nicht seinen unterlegenen Kontrahenten vergessen, der ihn mehr als einmal angefeindet hatte.

      Das war menschlich, groß und iranisch.

  2. Es war nicht nur der Zusammenhalt der Iraner, sondern auch die deutschen Fans waren begeistert von seiner samtweichen Stimme.

    Er hat auch eine Fan Page bei Facebook mit über 113.254 Fans. International.

    Schaut euch mal die Namen der Fans an. Sie kommen aus allen Ländern.

    Das hat Mehrzad mit seiner Musik geschafft!! ER VERBINDET VÖLKER!! Da gibt es keinen Hass, nur die gemeinsame Liebe zu Mehrzad!!

    Das ist beachtenswert!!! So sollte es auf der Welt sein!! ♥

    • Hallo Christine!

      Sie liegen ganz richtig. Er hat nicht nur internationales Format, sondern kommt auch über die Landesgrenzen hinweg sehr gut an.

      Nichtsdestotrotz kann man ruhigen Gewissens sagen, dass der Großteil der Initiatoren von Aktionen rund um den Anrufmarathon um Mehrzad exil-iranischen Ursprungs ist, da dieser Sieg nicht nur ein Sieg der Musik und des guten Geschmacks war, sondern auch Balsam für die Seelen und Gemüter der tyrannisierten Iranerinnen und Iraner, die schon alleine aus Solidarität und politischer Sympathie (er trug fast immer ein grünes Armband oder grüne Kleidung, um ein politisches Zeichen zu setzen) für ihren Landsmann teilweise Unmengen von Stimmen pro Person abgegeben haben. Ohne diese starke Gemeinde wäre dies so nicht möglich gewesen.

      Dennoch ist es ein Ritterschlag für ihn, mit seiner Stimme Menschen aus aller Welt zu erreichen.

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