Medienoffensive zum Jahrestag der Proteste

Ein großer Bestandteil der Arbeit der Auslandsbewegung ist die konsequente Sensibilisierung der Medien auf allen Ebenen. Dazu ist es, gerade hierzulande, aufgrund vorgefertigter Meinungen, mangelhafter Recherchen und krankhafter politischer Korrektheit, oftmals überaus wichtig und notwendig, verschiendenste Pressestellen und Medienanstalten so exakt wie möglich zu informieren.

Deshalb ist es sinnvoll, sich schon im Vorfeld der nächsten, sich anbahnenden Protestwelle zum Jahrestag der Massendemonstrationen gegen die Machenschaften des islamischen Regimes im Iran ab dem 12. Juni vorzubereiten, um eine umfassende Medienoffensive starten zu können. Dabei sollte Aufklärung die oberste Direktive sein.

Ein Beispiel für ein entsprechendes Presseschreiben zu informativen Zwecken habe ich bereits untenstehend verfasst.  

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 12. Juni diesen Jahres wird es im Iran zum 1. Jahrestag der Wahlfälschung des Regimes und der darauf folgenden blutigen Niederschlagung der Proteste gegen die dortige Regierung erneut Proteste geben. Die geplanten Demonstrationen, Streiks und Boykotte, die innerhalb der nächsten Wochen geplant sind, werden die bisherigen Aktionen der iranischen Freiheitsbewegung bei weitem übertreffen.

Seit Wochen kursieren unzählige Flyer, Bilder, Blog-Artikel, Twitter-Feeds und Videos im Internet, in denen eindringlich zu einer neuen, massiven Protestwelle aufgerufen wird. Durch die verbrecherische Politik mit den speziell seit letztem Jahr häufig durchgeführten Inhaftierungen, Folterungen und Hinrichtungen von Gegnern des herrschenden Mullah-Regimes wurde große Teile der iranischen Bevölkerung weder eingeschüchtert, noch konnte der Freiheitswillen der gepeinigten Iranerinnen und Iraner vor Ort und auf der ganzen Welt erstickt werden. Es geht hier keinesfalls um Reformen des aktuellen Systems. Die meisten Iranerinnen und Iraner wollen einen kompletten Umsturz des Regimes und wünschen sich eine wahrhaftig demokratische Staatsform, in der Säkularität, Gerechtigkeit und Freiheit herrschen.

Ich bitte Sie und fordere Sie auf, in den nächsten Tagen und Wochen so differenziert, authentisch und umfangreich wie nur möglich von den Ereignissen und Aktionen vor Ort und auf der ganze Welt zu berichten, um so zu helfen, weitere Massenvergewaltigungen, Folterungen und Morde dieses unmenschlichen Machtapparates zu stoppen. Die Weltpresse sollte sich in diesen Zeiten zur Aufgabe machen, die ablenkende und vorgeschobene Atompolitik der islamischen Republik außen vor zu lassen und sich auf die Wiederherstellung der Menschenrechte in diesem Land zu konzentrieren. Sämtliche (vor allem digitale) Medien könnten das so dringend nötige Sprachrohr der geschundenen Iranerinnen und Iraner sein und ihnen dabei helfen, diese historische Chance für einen Neubeginn ohne Angst und Terror zu ergreifen, denn je mehr Menschen weltweit wahrheitsgetreu über die Situation im Iran informiert sind, desto größer wird auch der internationale Druck auf das Regime.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und dafür dass Sie diese Zeilen überhaupt gelesen haben.

In Hoffnung auf Ihre tatkräftige Mithilfe verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen,

Dieses Schreiben ist frei verwendbar und darf zwecks höherer Effektivität beim Streuen solcher Informationen gerne verändert, gekürzt oder erweitert werden. Eventuelle Copyrights sind hiermit aufgehoben. Themenbezogene Links zu Artikeln und Videos können hier zusätzlich zur nötigen Aufklärung beitragen.

In diesem Zusammenhang kann es auch von Nutzen sein, beim Verteilen solcher Texte, systematisch vorzugehen und sich z.B. eine Sammlung von Email-Adressen der Medienanstalten anzulegen. Eine solche Sammlung finden Sie auf diesem Blog unter Presse.

Hoffentlich trägt unsere Arbeit Früchte und bewirkt, dass die todesmutigen Bemühungen der tapferen Iranerinnen und Iraner im Inland bei den kommenden Protesten weltweite Anerkennung finden.

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8 Gedanken zu „Medienoffensive zum Jahrestag der Proteste

  1. „Die meisten Iranerinnen und Iraner wollen einen kompletten Umsturz des Regimes “ – Das ist eine kühne Behauptung und Wortwahl. Ich wäre damit etwas vorsichtig. Was die Iraner im Iran wollen, wissen nur sie allein. Ich finde den Brief sehr gelungen, aber wir sollten uns nicht dazu hinreißen lassen, den Iranern im Iran Worte in den Mund zu legen. Damit könnten wir ihnen u. U. sogar schaden. Herr Karroubi hat in seinem letzten Interview mit Rahe Sabz übrigens genau über dieses Thema gesprochen (http://enduringamerica.com/2010/05/27/iran-document-karroubi-aligning-the-green-movement-inside-and-outside-country/), deutsche Übersetzung http://englishtogerman.wordpress.com/2010/05/27/karroubis-interview-mit-rah-e-sabz-mai-2010/

    Ansonsten: Danke für die Initiative.

  2. Hallo Julia!

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Natürlich ist das eine kühne Wortwahl, aber nicht umsonst. Die Zeiten der „Vorsicht“ sind vorbei. Die iranische Freiheitsbewegung hat längst angefangen, klare und unmissverständliche Forderungen zu stellen! Meine Verbindungen zum Iran und die täglichen Meldungen sind ausreichend genug, um gewisse Stimmungen zu bewerten. Vor einigen Jahren wäre es kaum denkbar gewesen, dass unzählige Menschen auf Straße gehen und „Marg bar diktator“ und „Marg bar jomhuryie eslami“ rufen.

    Wenn wir diese überhandnehmenden Stimmen in Zeiten des gefährlichen und irreführenden Populismus sogenannter Reformer und Opportunisten wie Moussavi und Karroubi ignorieren, verlängern wir den Bestand dieser islamischen Vergewaltigungsdiktatur nur unnötig. Ich glaube, ich muss nicht daran erinnern, welche Vergangenheit diese hinterhältigen Schauspieler, die seit Jahrzehnten Handlanger und fester Bestandteil dieses System waren und sind, mit sich bringen.

    Diejenigen, die jetzt noch diesen unverbesserlichen Gestalten, die weiterhin die Ideale der islamischen Revolution hochhalten und vehement verteidigen, hinterherlaufen, haben nicht verstanden, dass sie mit Verbrechern kokettieren, denen der Iran, seine Traditionen und Menschen egal sind.

    __________

  3. Ich finde es höchst verstörend dass Frau Julia hier meint Iranian German würde den Iranern Worte in den Mund legen, wo sie doch selbst höchst selektiv über die grüne Bewegung berichtet. Wenn man dann schon Karoubi zitiert, so ist es unerlässlich ein wenig mehr zu der Vita dieses Herren zu kennen, der auch meint dass die Vergewaltigungen in den IR-Gefängnissen seien für ihn absolut neu. islamisch legitimierte Vergewaltigungen die bereits seit 30 Jahren dokumentiert sind und die fast jedem Iraner bekannt sind. Ich sehe mit Besorgnis auch die Rolle von Julia’s Blog die im Gewand der Kritik und angeblichen Objektivität sich an die angeblichen Führer der Grünen Bewegung hält, wohingegen das Volk sich von diesen schon längst emanzipiert hat.

  4. Leider sind sich nicht alle Grüne untereinander auch grün. Ich unterstütze die Grüne Bewegung als eine Einheit aber distanziere mich ausdrücklich mit denjenigen Grünen, die in Moussavi oder Karroubi ihre zukünftige Regierung sehen wollen. Und viele Anhänger der grünen Bewegung laufen NICHT diesen Herren hinterher, sondern es sind umgekehrt diese Herren, die sich an die Entscheidung der Iraner richten und sie unterstützen wollen, ohne dabei ihr Gesicht bei ihren islamischen Brüdern zu verlieren. Wenn diese zwei, egal welcher von ihnen an die Macht kommt, dann haben wir den gleichen Käse nochmal 30 Jahre. Nein Danke. Iran muss weg von Theokratie und dem Islam hin zu einer säkularen Demokratie, so wie es Reza Pahlavi vorschlägt.

  5. Gut gesagt Afsaneh, denn wer und ob jemand einer zukünftigen Regierung angehört, können nur freie faire Wahlen bestimmen. Was die Idee einer 100% säkularen Demokratie angeht, so würde ich mich nicht auf die Worte Reza Pahlavis verlassen. Dieser betreibt im gleichen Atemzug nämlich eine Hofierung der islamischen Kleriker, die er in ihrer Gesamtheit als Volksergeben ansieht. Ohne die Zerschlagung des islamisch-klerikalen Systems und ihrer weit verzweigten Wirtschaftskonglomerate aber, werden sie weiterhin eine Quelle der Destabilisation und williger Partner für ausländische Feinde sein. Vergessen wir nicht dass Reza Pahlavi sich mit einer Kadjarin vermählt hat und sein Bruder mit einer Seyeda. Beides gilt um diese beiden Gruppen hinter sich zu vereinigen und somit einer künftigen azarisch-kadjarischen Dynastie mit Wohlwohlen der Mullahs sicher zu stellen. Zudem bereitet es größter Sorge dass Reza Pahlavi meint die Menschen in Iran hätten eine duale Identiät, was darauf schliessen lässt, dass der türkische Einfluss in Iran unangetastet bleiben muss. Sollte dies geschehen, wird sowohl die Diskriminierung der Talysh und Juden in Arran (Azerbaidan) weiter gehen, als auch die weitere Türkisierung des Landes, das in Tehran bereits erschreckende Ausmasse angenommen hat.

  6. Afsaneh: ZUSTIMMUNG!

    Sehr geehrte Julia,

    ich bin gerade ein wenig perplex, diesen Satz von Ihnen zu lesen:

    „Was die Iraner im Iran wollen, wissen nur sie allein. Ich finde den Brief sehr gelungen, aber wir sollten uns nicht dazu hinreißen lassen, den Iranern im Iran Worte in den Mund zu legen. “

    Was mich aber noch perplexer machte, dass Sie als jemand, der sich offensichtlich sehr intensiv mit dem Thema Iran beschäftigen, doch allen Ernstes Herrn KARROUBI als ernstzunehmenden Hinweis hier einbringen, wie wir denken sollten bzw. wie die Iraner im Iran wohl angeblich wären oder nicht wären. Wissen Sie, auch wenn ich Ihnen zugute halte, dass Ihre Sätze eher Opfer der deutsch-demokratischen Mentalität sind (die leider manchmal etwas naiv ist in Sachen Realität im Iran), so seien Sie sich gewiss, dass Iraner im Ausland schon so einiges wissen, wie Iraner im Land ticken und was sie wollen und vor allem, was sie NICHT wollen. Es ist nämlich leider sehr oft die erbärmliche Rhetorik von Verharmlosern, die harten Regime-Kritikern gern in den Rücken fallen mit dem typischen Satz „Du im Ausland weisst doch gar nicht wie die im Inland denken“. Liebe Julia, ich halte Ihnen zugute, dass sie dieses nicht aus dem schlechten Motiv wie einige andere heraus taten, nichtsdestotrotz ist es mehr als naiv, einem Herrn Karoubi eine „Seriösität“ zu attestieren, während Sie Iranian German ziemlich plump unterstellen, dass er gar nicht wüsste, wovon er redete (zumindest bezogen auf den kritisierten Satz).

    Soll ich den ersten und letzten Satz eines jungen Verwandten von mir sagen, den er erst vor 3 Tagen schrieb, OHNE dass ich ihn danach fragte?

    „IHR GLÜCKLICHEN IM AUSLAND! ICH WÜRDE GERN ÜBERALL AUF DER WELT SEIN,
    NUR NICHT IM IRAN!!!“

    Hört sich DAS nach dem Wunsch nach ein paar Reformen an oder eher nach einem jungen Iraner, der dieses Land bzw. sein Regime so sehr hasst, dass er lieber heute als morgen seine Sachen packen würde und verschwinden würde. Glauben Sie, jemand der so redet, der wünscht sich NICHT der gesamten DOWNFALL dieser Regierung? Soll ich Ihnen weitere Beispiele bringen???

  7. @Iranian German
    @Shir o Xorshid

    Ich wollte Sie nur daran erinnern, dass die Studenten und Protestierenden im Iran weiterhin mit Slogans „Ya Hossein, Mir Hossein“ und „Dorud bar Mousavi, Salam bar Karroubi“ Mousavi und Karroubi unterstützen, auch wenn sie nicht wie diese denken. Ich stimme Ihnen zu, dass die Iraner eine andere Regierungsform haben wollen als „islamische Republik“.

    Bitte lesen Sie diesen Artikel, damit Sie mich nicht missverstehen.
    Es ist der Ausschnitt eines Briefes von Majid Tavakolli mit einer Vorbemerkung von Negar Irani
    http://englishtogerman.wordpress.com/2010/05/28/auszug-aus-dem-letzten-statement-majid-tavakolis-aus-dem-evin-gefangnis/

    Majid Tavakolli ist einer der Helden der Studenten im Iran, das wissen wir alle. Die Studenten sind die wahre Lieder der grünen Bewegung und Majid ist zweifellos einer von ihnen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dust and Trash

    • Ich habe die Aussagen von Tavakolli gelesen und diese schon vor einigen Tagen unter meinem Artikel über ihn verlinkt. Er hat bereits jetzt schon Großartiges geleistet und verdient unseren Respekt. Würde dieser gepeinigte und in Haft sitzende Studentenführer zusätzlich zu seinem bisherigen Aktivistenstatus, offen eine Abschaffung der islamischen Republik und ihren Strukturen fordern, wäre er dem Tod geweiht. Tavakolli ist intelligent genug, um zu wissen, dass er trotz seiner Funktion und seines Potentials dem iranischen Volk und seiner Bewegung nichts nützt, wenn er nicht mehr am Leben ist…

      Und nein, Sie müssen mich nicht daran erinnern , dass es auch Protestierende im Iran gab und gibt, die immer noch die Namen dieser Verbrecher skandieren. Keiner hier hat jemals behauptet, dass diese Stimmen restlos verklungen sind. Hier zählt jedoch einzig und alleine die Frage nach dem Warum! Einerseits können das immer Stimmen sein, die aufgrund mangelnder Aufklärung immer noch nicht realisiert haben, womit sie es im Falle der sogenannten Reformer zu tun haben. Anderseits sind es oftmals Studenten und junge Iraner, die die vermeintlichen Oppositionsführer wie Karroubi und Moussavi sehr geschickt als Mittel zum Zweck benutzen…

      Wie wir bereits beide richtig erkannt und erwähnt haben, ist der große Teil der Iranerinnen und Iraner, ob offiziell oder hinter vorgehaltener Hand, klar und deutlich gegen einen Fortbestand der islamischen Republik und seinen verbrecherischen Machenschaften. Alleine diese Erkenntnis disqualifiziert diese beiden Herrschaften für eine zukünftige, freiheitliche, demokratische und säkulare Staatsform des Iran komplett. Das Ende einer islamischen Republik Irans wird auch das Ende der Straffreiheit für sämtliche Mittäter der jahrzehntelangen Tyrannei bedeuten. Würden wir nicht alles tun, um diese wichtige Tatsache aufzudecken, hätten wir unseren Platz innerhalb der iranischen Freiheitsbewegung nicht verdient.

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