Die Bewegung lebt

Und wieder einmal waren viele Menschen im ganzen Iran auf den Straßen und haben trotz widrigster Umstände gezeigt, dass die iranische Freiheitsbewegung alles andere als ein längst vergangener Mythos unverbesserlicher Optimisten ist…

Trotz den bislang härtesten Sicherheitsvorkehrungen des Regimes, konnte auch diesmal der Freiheitsdrang des iranischen Volkes nicht unterdrückt werden. Wer in der Lage war, in den Nachmittagsstunden am Samstag einen internetfähigen PC zu bedienen und ab und an ePersian Radio zu lauschen, der konnte zweifellos vernehmen, dass die Menschen im Iran weder mit Verhaftungen und Folter noch mit Vergewaltigung und Mord ruhigzustellen sind.

Vor allem in Teheran kam es zu harten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. An einigen Orten der Hauptstadt wie an der Hafez-Brücke wurden sogar Polizeieinheiten komplett zurückgedrängt. Transporter der Staatsmacht wurden stellenweise von Demonstranten unter Kontrolle gebracht und deren Ausrüstung konnte entwendet werden. Laut Augenzeugenberichten wurden mehrer Polizisten schwer verletzt, als sie sich wehrende Protestler mit Schlagstöcken und Tränengas angriffen. Auf meinem Twitter-Kanal sind diverse ins deutsche übersetzte Meldungen von Anrufern über ePersian Radio zu lesen, die direkt vor Ort waren und am Geschehen teilnahmen.  

Einmal davon abgesehen, dass das finale Aufgebot von prügelnden und verhaftenden Regimekräften gegen Abend Überhand zu nehmen schien, so sind all die erfolgreichen und beeindruckenden Aktionen ein sicheres Zeichen dafür, dass dieses Regime innerhalb des letzten Jahres gewaltig ins Straucheln gekommen ist. Diese Bande von verbrecherischen Bastarden kann sich nur noch mit Einschüchterung, Unterdrückung und purer Gewalt über Wasser halten. Ein bröckelnder Machtapparat wie dieser scheint nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern auch dem absoluten Untergang geweiht. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

Die Tatsache, dass die opportunistischen Köpfe der sogenannten „Reformpolitik“ wie Karroubi und Moussavi wieder einmal den Schwanz eingezogen haben und die Menschen dazu aufgerufen haben, keine Proteste abzuhalten und zu Hause zu bleiben, zeigt klar und deutlich, dass die erbärmliche Hoffnung derjenigen, die immer noch auch nur im Entferntesten daran denken, diesen selbsternannten Rettern des Volkes hinterher zu watscheln, so unnötig ist wie das Gemächt des Papstes. Der Grund für deren gepflegte Zurückhaltung dürfte klar sein: Sie haben die bereits des Öfteren beschriebene Angst um ihre eigene Existenz, die beim drohenden Fall der islamischen Republik und ihren Strukturen nicht mehr gesichert wäre. Genauso wie der allahistischen Diktatur so langsam aber sicher die Luft ausgeht, so wird es um die vielzitierten „Reformer“ und „Wohltäter“ der Opposition immer stiller und ruhiger. Kann das ein Zufall sein…?

Dass uns die deutsche Presse rund um das vergangene Wochenende nicht einmal den Gefallen einer halbwegs nüchternen oder gar objektiven Berichterstattung getan hat, verwundert inzwischen nicht mehr weiter. Ich für meine Person schäme mich regelrecht einer Nation anzugehören, deren ignorante Öffentlichkeit aufgrund wirtschaftlicher Interessen und menschlicher Gleichgültigkeit nicht in der Lage ist, unveräußerliche Menschenrechte zu propagieren und klar Partei für das gepeinigte und tapfere iranische Volk zu ergreifen. 

Was ausländischen Medien vielerorts ohne größere Probleme möglich war, scheint in diesem exportorientierten Land nicht annähernd machbar. Trotz unserer aufwendigen Medienoffensive mit unzähligen Presseschreiben vieler Freiheitskämpfer innerhalb der letzten Tage, gab es entweder falsche, unzureichende oder überhaupt keine Berichte über die mutigen Aktionen der heldenhaften Iranerinnen und Iraner, die in der lebensgefährlichen Atmosphäre unter der Fuchtel der islamischen Republik einmal mehr ihre Stimme erhoben haben und dies auch weiterhin tun werden. Eines steht allerdings fest. Die iranische Gemeinschaft samt ihrer Mitstreiter werden niemals vergessen, wer ihnen in schwersten Zeiten beigestanden und wer ausschließlich seine eigenen Interessen gewahrt hat.

Auch, wenn es scheint, als konnte die Mullahkratie die ersten Proteste dieser Serie erfolgreich unterdrücken, so sollten sich diese Herrschaften für die nächste Zeit warm anziehen und schon mal ihre Flucht-Helikopter bereitstellen… Die Proteste vom Wochenende werden ganz sicher nicht die Letzten gewesen sein. Über Twitter und YouTube werden bereits die nächsten entschlossenen Aktionen für diesen Monat geplant und verbreitet. Der vergangene Samstag war nur ein Schuss vor den Bug…

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Infos und Berichte zum 12. Juni 2010:

 Video Compilation: 22 Khordad Demonstrations

Analyse der Proteste vom 12. Juni 2010 im Iran

Josh Shahryars Liveblog zum Jahrestag der Wahlen

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3 Gedanken zu „Die Bewegung lebt

    • Lieber Wieni,
      laut meinen letzten Informationen sind die nächsten größeren Aktionen für den Todestag von Neda, dem 20. Juni, geplant. Jedoch werden die ganzen nächsten Wochen von Protesten gespickt sein. Die bislang wenigen konkreten Informationen, deuten darauf hin, dass man es den verbrecherischen Machthabern nicht mehr ganz so einfach machen möchte. Unangekündigte Proteste sind weitaus schwieriger niederzuschlagen…

  1. Hallo,
    Glaube auch, dass es in Zukunft nicht mehr mit angekündigten Protesten gehen wird. Die Zeit arbeitet aber FÜR die Freiheitsbewegung, daran hatte und habe ich seit dem 15. Juni 2009 nicht den geringsten Zweifel. „Überraschungen“ und unvorhergesehene Ereignisse sind jetzt angesagt. ( denk an den Tod Montazeries im letzten Dezember , ohne dieser Verlust für die GRÜNEN wäre „Ashura“ nicht so ausgeartet ). Für meinen Teil rechne ich eher mit einer plötzlichen Situation, der das Volk zum kochen bringen wird. Jeder „Funke kann zur Explosion führen, und davon gibt es im Iran tausende.Genügen würde nur ein Einziger.Glaube mir , lieber Iranian German, dieser „Tag“ kann jede Stunde eintreten und sie wird uns alle vor Überraschungen vom Sessel hauen.Es wird alles sehr schnell gehen. Nur die Ruhe.

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